Zu den Breaking News der letzten Tage gehört vor allem die neue Scheinimagekampagne von Google (oh welch’ Wunder, wenn eh alle News über Google verteilt werden), in der uns versucht wird klarzumachen, wie Google angeblich tickt und dass sich Google um bessere Welt sorgt.

Noch bevor wir zu der eigentlichen Heiligsprechung von Google übergehen, würde ich gerne ein paar wenige Anmerkungen loswerden, die mich zu dieser Meinung führen.
- Google hat schon mal einen von der chinesischen Regierung aufgestellten Vertrag unterschrieben, ohne davor die Welt zu fragen, ob’s eh OK ist. Richtig?
- Google ist ein profitorientiertes börsenorientiertes Unternehmen, das sich im eigenen Geschäftsinteresse an den üblichen Marktgesetzen halten muss. Und China ist ein ständig wachsendes bedeutendes Milliardenverbrauchermarkt. Stimmt’s?
- Google braucht uns weniger als wir selbst Google. Wie auch immer absurd es klingt – keiner von uns kann gegen Google was ausrichten. Jeder Furz im letzten Kaff am Ende der Welt wird über Google in die Welt herausposaunt. Google hat in aller Stille unser Web privatisiert und ihm das eigene Geschäftsmodell eingeprägt. Google hat sich irgendwann sogennante “Google-Penalties” ausgedacht – wenn das Web nicht so betrieben wird wie (von Google selbst) erwünscht und die Welt hat es wortlos hingenommen. Und wir alle machen dabei (un)bewusst mit. Ohne Google finden wir nicht mal mehr auf die eigene Homepage. Googlesearch ist überall implementiert, von persönlichen Katzenminiblogs bis zu den New York Times. Google hat eigene Lobbyisten in den Regierungen der ganzen Welt sitzen. Jedes zweite Unternehmen vercodet deren Links mit Google-Tracking. Ganze Branchen bauen deren Geschäft auf Google. Millionen Familien leben vom Geschäft mit/über/durch Google. Das mobile Web, das kollaborative Web, das soziale Web, das Unternehmensweb, das private Web, das innovative Web, das semantische Web – das gesamte Web – Google hat überall die Finger drin. Ist dem etwa nicht so?
Warum sollte es also Google riskieren, in China die über Jahrzehnte mühsam erwirtschaftete Marktanteile mit einem Handgriff zu verlieren?
Was genau würde Google damit erreichen? Würde dann China sofort die Regierungsform und Nomenklatur ändern oder vielleicht sogar zusperren? Würde die restliche (ach so begeisterte) Welt dann Google die dadurch entgangenen Gewinne und Marktanteile ersetzen? Warum sollte Google einem seiner größten Rivalen den bereits besetzten Boden wieder entgeltlos freimachen? Und was ist dann mit anderen Ländern (Iran, Afganistan, Lybien, Nordkorea, etc.), die immer eigene Regeln durchzusetzen versuchen? Wird sich Google dann auch dort überall vom Markt zurückziehen?
Gibt es wirklich Jemanden, der das glaubt?
Die neue “(Back to) Don’t be evil”-Scheinimagekampagne von Google
Google könnte sich kaum noch billigere PR-Punkte holen, als mit China wiedermal.
Als ob die Dinge in China nicht schon seit Jahren (Jahrhunderten / Jahrtausenden) so laufen würden, wie auch heute oder morgen. Keiner von uns hat Googles China-Verträge gesehen. Keiner von uns hat auch nur eine Ahnung, was alles drinnen steht, was schon mal Google alles hingenommen hat, um auch in China Geld zu machen. Ist es etwa nicht so, dass Google trotz jeglicher Proteste, Klagen und Drohungen einfach nur sein Geschäft betreibt?
Klar, generell hat diese Geschichte viele Facetten und man kann sich über die Verantwortung eines der wichtigsten Unternehmen endlos streiten, aber ehrlich, sieht euch mal den Werdegang von General Electric, Standard Oil, Texaco, International Harvester, ITT, IBM, etc. an, vor allem in den 1920ern und 1930ern…
Und? Genau.
Business is Business. Gute Vorsätze kann man nicht essen. Und die Welt besteht nicht aus Ghandis.
About Martin Waiss
Yet another web-addict and wannabe semantic-web-knight and tenpin-bowling-king from Vienna. Also I love my cats.
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